Leute, die am Höhepunkt ihrer eigenen Depression angelangt sind, zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie unfähig sind, die richtigen Entscheidungen zu treffen, falls sie überhaupt zu welchen imstande sind. Dieser Ratgeber soll dabei behilflich sein, mögliche Schwierigkeiten bei der Auswahl der geeigneten Methode zu überwinden:
) Pflanzen Sie rechtzeitig einen Baum an. Der Tausch “Leben für Leben” ist vor allem bei naturbezogenen Idealisten die bevorzugte Variante. Allerdings müssen Sie sich Ihrer Absichten schon Jahre zuvor sicher sein und rechtzeitig das Jungbäumchen einsetzen oder den Samen in die Erde einbringen. Kaufen Sie am besten ein gutes, reißfestes Seil oder lernen vielleicht die Kunst des Seilknüpfens, wenn Sie eine kreative Beschäftigung für die langen Jahre des Wartens suchen.
In der Zeit bis zum Tag X besteht jedoch die ernste Gefahr, plötzlich alle Pläne über Bord werfen zu wollen, weil Sie vielleicht heiraten und Kinder zeugen oder dem Leben im Allgemeinen positiver gegenüber stehen. Um es nochmals zusammenzufassen. Diese Variante ist deswegen eher etwas für langfristige Organisationstalente und weniger für Kurzentschlossene.
Wenn Sie das nicht wollen oder können, empfehle ich Ihnen, sich in der näheren Umgebung umzublicken und einen Baum auszuwählen, dessen tiefergelegene Äste gerade noch erreichbar sind, aber nicht so weit unten liegen, dass Sie statt zu baumeln am Boden landen und sich höchstens die Knöchel verstauchen werden. Niemand würde Ihnen dabei helfen sich loszubinden oder abzuschneiden, Sie müssten danach dieses kleine Problemchen wohl von alleine bewältigen, um erst später wieder zur Lösung des eigentlichen Problems – Ihres Lebens – zurückkommen zu können.
Im besten aller Falle sind Sie also die Lachnummer der um Sie herum versammelten Schaulustigen und werden daraufhin zutiefst gedemütigt nach Hause schleichen. Und nach einer kleinen Erholungspause am nächsten Tag einen neuen Start ins Ableben wagen können. Im schlechtesten Fall werden Sie eingewiesen und medikamentös ruhig gestellt, daraufhin einer Psychotherapie unterzogen, und müssen nach der Entlassung erneut mühsam daran arbeiten, um in die richtige Stimmung zu gelangen. Der ganze Aufwand für die Vorbereitung wäre demnach umsonst gewesen.
) Falls Sie romantisch veranlagt sind und gute Musik bevorzugen, dann wäre es Ihnen ein leichtes, sich mit dem bewährten Mix aus Schlaftabletten und alkoholischen Getränken ins Jenseits zu befördern. Damen, die etwas von sich halten, zumindest was die Rahmenbedingungen ihres Todes betrifft, bevorzugen häufig Sekt oder Prosecco.
Machen Sie es sich an einem gemütlichen Ort bequem, legen Sie Ihre Lieblingsplatte auf und beginnen mit dem Festmahl. Den Punkt der Medikamentenunverträglichkeit möchte ich hierbei auch kurz ansprechen. Es könnte sein, dass diese Methode nicht geeignet ist, falls Sie an Magenproblemen leiden. Wenn Sie Glück haben, werden Sie an Ihrem Erbrochenen ersticken, wenn Sie Pech haben mit dem Gesicht in der Sauce wieder zu Bewußtsein kommen. Sie werden sich zu Tode schämen, aber leider nicht zu Tode kommen. Ich rate Ihnen daher: Schminken Sie sich in dem Fall alle Träumereien einer schöne Leiche von vornherein ab. Es bliebe ein hoffnungsloser Versuch wie Ihr Leben.
) Machen Sie Waffen zu Ihrem Hobby! Das wär doch was. Das blöde dabei könnte sein, das Sie die bürokratische Hürde in Form eines psychischen Attests überwinden müssten. Wenn Sie schon mal mit dem Grünen Heinrich anstatt mit dem Taxi von Zuhause abgeholt worden sind, um zum Arzt zu gelangen, dann ist es eher schlecht um Sie bestellt. Außer Sie sind fingerfertig genug und nützen Ihre handwerklichen Fähigkeiten dafür, sich die Waffe selbst zu bauen.
Bezüglich dieses Verfahrens gibt es eine ganz klare Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft, die Sie als Ansporn betrachten könnten. Förster, Soldaten oder Polizisten sind, was das Thema Suizid oder Amoklauf anbelangt, eindeutig im Vorteil. Ich kann Ihnen deshalb nur raten, sich diese Angelegenheit zu Herzen zu nehmen und daraus die richtigen Schlußfolgerungen zu ziehen. Wieder einmal wurde Ihnen bewiesen, dass Sie in dieser Sache alleine im Wald stehen.